Die situationsbezogene mündliche Prüfung ist der Teil, in dem du zeigst, dass du dein Wissen in einer realen Situation anwenden kannst. Der Prüfungsausschuss prüft dich an einem konkreten Einsatzszenario. Diese Seite erklärt den Ablauf und gibt die wichtigsten Tipps.
Der Aufbau
Die mündliche Prüfung besteht aus drei Phasen.
Phase 1: Vorbereitung. Die Situationsaufgabe erhältst du entweder direkt am Prüfungstag mit einer Vorbereitungszeit von 20 bis 30 Minuten – oder einige Tage vorher schriftlich.
Phase 2: Präsentation. Du stellst deine Lösung vor dem Prüfungsausschuss dar. Häufig 10 bis 15 Minuten freier Vortrag.
Phase 3: Fachgespräch. Der Ausschuss stellt Rückfragen, Vertiefungsfragen und Querverweise. Dieser Teil dauert weitere 15 bis 20 Minuten.
Die Gesamtdauer liegt bei rund 30 bis 45 Minuten pro Kandidat.
Typische Situationsaufgaben
Die Aufgaben kommen aus dem Berufsalltag. Einige typische Beispiele.
Szenario 1: Zugangskontrolle. Ein Besucher verlangt ohne Ausweis Zugang zu einem Sicherheitsbereich. Er beruft sich auf einen dringenden Termin und wird zunehmend unfreundlich. Wie reagierst du?
Szenario 2: Diebstahl im Kaufhaus. Du beobachtest einen mutmaßlichen Diebstahl. Wie sicherst du den Sachverhalt, wie sprichst du den Verdächtigen an, welche Befugnisse hast du?
Szenario 3: Brandmeldung im Objekt. Es geht ein Brandalarm ein. Du bist allein im Objekt. Wie priorisierst du, wen informierst du, welche Schritte ergreifst du?
Szenario 4: Konflikt bei Großveranstaltung. Zwei Zuschauergruppen werden aggressiv. Du bist am Eingangsbereich eingesetzt. Wie gehst du vor?
Szenario 5: Datenschutz-Anfrage. Ein Besucher verlangt die Herausgabe von Videoaufnahmen. Wie reagierst du rechtssicher?
Szenario 6: Alarm im Werkschutz. Eine Einbruchmeldeanlage löst nachts aus. Was tust du, bevor du vor Ort bist, und wie läuft die Überprüfung ab?
Bewertungskriterien
Der Prüfungsausschuss bewertet nach klaren Kriterien.
Rechtliche Sicherheit. Stimmen deine Entscheidungen mit BGB, StGB, StPO, GewO und BewachV überein?
Strukturierte Darstellung. Ist deine Lösung klar aufgebaut – vom Problem über die Analyse zur Handlung?
Kommunikation und Auftreten. Wie klar sprichst du? Wie sicher wirkst du? Wie gut hörst du zu?
Handlungskompetenz. Kannst du nicht nur beschreiben, sondern auch entscheiden?
Selbstreflexion. Erkennst du offene Fragen und Schwachpunkte deines eigenen Vorschlags?
Vorbereitung in der letzten Woche
Die letzten Tage vor der mündlichen Prüfung sind entscheidend.
Tag 1 bis 3: Die typischen Szenariotypen durchgehen, Lösungsschablonen verinnerlichen, Gesetzestexte griffbereit haben.
Tag 4 und 5: Rollenspiele mit Freunden oder Kollegen. Einer spielt den Prüfer, der andere den Sicherheitsmitarbeiter.
Tag 6: Mit einer Person aus der Branche – einem Kollegen oder Dozenten – eine realistische Simulation durchspielen.
Tag 7: Ausruhen. Keine neuen Inhalte mehr.
Drei Strategien für die mündliche Prüfung
Eins: Ruhig beginnen, strukturiert gliedern. Die ersten Sätze setzen den Ton. Eine kurze Gliederung am Anfang strahlt Souveränität aus.
Zwei: Fragen ernst nehmen, nicht reflexhaft antworten. Kurz nachdenken, dann präzise antworten. Wer sofort spricht, sagt oft das Falsche.
Drei: Bei Unsicherheit ehrlich bleiben. „Das weiß ich nicht sicher, aber die Richtung wäre …" schlägt jede erfundene Antwort. Prüfer erkennen Bluff sofort.
Häufige Fragen
Keine gute Idee. Freies Sprechen wirkt souveräner und wird besser bewertet. Eine strukturierte Notizkarte ist erlaubt.
Ordentliche, gepflegte Kleidung. Uniform, wenn du in einer trägst, Business-Kleidung ansonsten.
Meist 30 bis 45 Minuten pro Kandidat – inklusive Präsentation und Rückfragen.
Ja, wie jede andere Prüfungsleistung zweimal.
Nächster Schritt
Wie du die Fortbildung über Bildungsgutschein, Aufstiegs-BAföG und weitere Mittel finanzierst, erfährst du auf der Seite Förderung GSSK-Weiterbildung.